Apocalypse Now?

Mit einem Apell melde ich mich zurück. Die Apokalypse naht, der Weltuntergang steht bevor! Die ersten Anzeichen sind unverkennbar. Sonntag Abend bei Günter Jauch – das Thema Bildung und wer sitzt da? Felix Magath, Schleifer, Geldverbrenner und Antimotivator als Experte für Kinder und Ansporn zu Leistung. Einen Tag später, Frank Plasberg, ehemals ansehnliches Format, mittlerweile der visuelle Würgereiz des öffentlich-rechtlichen Gebührenvernichtungskomitees. Thema ist Erziehung, zu Gast Oliver Pocher!  Zu guter Letzt ist der hohe Priester der Diebe zurück, KaTheZuGu! Der Ex-Minister, der außer einem Foto auf dem Times-Square und einer nicht vollendeten und fehlerhaften Bundeswehrreform keine politischen Erfolge vorzuweisen hat, ist wieder da. Der Mann, der abschreibt und klaut und dies noch als notwendiges Übel seiner Karriere und dem auf ihm lastenden Druck verkauft. Ohne Brille und ohne Pomade, dafür noch dreister und selbstüberschätzender als je zuvor. Und viele Deutsche, allen voran das Meinungsblatt der geistigen Unterschicht können es kaum erwarten. Magath, Pocher, Guttenberg – das sind die ersten apokalyptischen Reiter!

Vielleicht kann man den Untergang noch abwenden, doch wenn nicht wird sich zeigen welche Religion nun ihr Seelenheil finden wird. Vielleicht dieser Haufen alter Kinderschänder? Oder die Bombenbastler mit Vollbart? Möglicherweise gibt’s aber auch ein Happyend für die die ewig Verfolgten. Bleiben wir bei den Bombenbastlern. Seit der Jahrtausendwende ist ja jeder Terrorist gleich ein Ahmed oder Ali. Unsere Vorstellung von Terrorismus wurde von Polizei und Politik vorangetrieben und gefestigt. Okay ab und an wurden da noch ein paar schwarz angezogene Chaoten gezeigt, die Autos abfackeln und in Berlin und Hamburg wüten. Doch ansonsten herrschte Einigkeit darüber, dass wir ein Problem mit Islamisten haben.

Doch plötzlich kommt da so eine Bande gelangweilter Ossis und verbrennt sich selbst in einem Wohnwagen und plötzlich ist alles anders. Niemand wusste etwas, alle weisen die Schuld von sich. Rechtsextremer Terror – das war ja gar nicht absehbar. Ganze Landstriche im Osten werden der braunen Idiotie überlassen, den wenigen Organisationen die dagegen kämpfen werden die Mittel gestrichen und die NPD wird noch durch Wahlkampfkostenerstattung und Verfassungsschutz finanziert. Aber wer konnte ahnen, dass dieser Haufen noch mehr Ambitionen hat, als sich in ein paar sächsischen Gemeinden die Krone aufzusetzen?! Es wäre ja einfach, hätte man damit Erfahrung, aber hier in Deutschland gibt es doch absolut keine Erfahrung mit rechtsextremen und nationalistischen Bewegungen. Erst recht nicht mit Leuten die vom Verfassungsschutz eingesetzt werden um die Gefahr zu beobachten und dann gegen den Staat arbeiten.  Vielleicht hat man die Gefahr von rechts auch einfach nur unterschätzt. Aber wenn ein kleiner, hässlicher und verbitterter Mann mit schizophrener Künstlerseele aus Österreich ganz Mitteleuropa für sich begeistern kann, dann schafft das ein Haufen zurückgebliebener Nazis eben auch.

 Gerade im ehemaligen Musterland des Sozialismus entwickelte sich die braune Gefahr. Die Erklärung ist für mich genauso simple wie einfach, die Elterngeneration ist in einer Diktatur aufgewachsen, die Großeltern auch – da wollen die Söhne und Töchter natürlich auch eine Witzfigur, die man anhimmeln kann. Und weil es ja zu schwierig wäre zur Schule zu gehen, einen vernünftigen Abschluss zu machen und sich in Beruf, Familie und Menschlichkeit zu verwirklichen, bleibt man lieber arbeitslos, asozial und sucht die Schuld bei anderen. Klar wenn man genügend von denen totschlägt, wird schon irgendwann eine Stelle frei für die Kameraden.  Bei aller Verunsicherung und Desillusion dieser Zeit, aber wie soll denn das braune Deutschland der Zukunft wirklich aussehen!? Keine Ausländer, einen Führer, kein Kapitalismus, keine internationalen Beziehungen und Abkommen!? Da muss man nur nach Nordkorea, Myanmar oder Kambodscha schauen, dort wird dieses Zukunftsmodell seit Jahren erfolgreich praktiziert. Und spätestens hier liegt die Krux, wer wirklich sein Land liebt und möchte, dass es sich hier gut leben lässt, darf die Augen nicht vor der Realität und der Umwelt verschließen. Kaum ein Land profitiert vom internationalen Handel, kulturellen Austausch und friedlichen Europa so wie Deutschland. Und wer diesem Land und seinen Bürgern etwas Gutes tun will, der sucht Ideen und Konzepte, die uns weiter bringen und unsere wirtschaftliche und politische Stärke weiter festigen. Nur weil ich mich für stark halt, kann ich mich auch nicht auf die Autobahn stellen und davon ausgehen, dass der LKW an mir zerschellen wird. Man muss die Realität annehmen. Fremdenfeindlichkeit, Hass, Intoleranz, Gewalt, Unmenschlichkeit – all das sind Attribute, die in den Abgrund führen.

 Doch die wahre Gefahr sind nicht die rechtsextremen Terroristen, diese werden nun im Zuge der nationalen und internationalen Aufmerksamkeit beseitigt und gejagt. Die Gefahr ist weiter der „normale“ Bürger, der weit weg vom Klischee lebt. Er hat Familie, einen Job und tritt nie mit Gewalt oder Protest in Aktion. Doch in seinem Kopf schlummern und reifen die Parolen der Nazis. Wer denkt Intoleranz und Rassismus seien ein Randproblem, der ist schon zu lange weg vom Boden der Gesellschaft, der großen schweigenden Mehrheit, die sich nicht politisch engagiert und nur beim Stammtisch, der Arbeit und in der Familie über politische Inhalt redet oder eher schimpft. An dieser Mehrheit geht vieles vorbei, manches weil es einfach zu abstrakt und unwirklich ist, manches weil das intellektuelle Niveau nicht ausreicht. Doch das Problem hierbei ist die politische und gesellschaftliche Elite, die verkennt, dass die Verlierer von Strukturwandel und Globalisierung kaum offen sind für so moralisch-idealistisches Gedankengut wie Toleranz, Nächstenliebe und Völkergemeinschaft. Im Trott aus gefühlt unterbezahlter Arbeit, dem Verfall von Werte und Normen, dem sichtbaren finanziellen Loch der eigenen Kommunen und Gemeinden und dem medialen Affenzirkus ist kaum Platz für Reflektion der eigene Situation und einer vernünftigen Beurteilung der Lebensumstände. Ein Sündenbock erfordert nur Frustration und ist schnell gefunden, selbstkritischer und anspruchsvoller Umgang mit sich selbst erfordert charakterliche und moralische Integrität, doch die ist rar in dem Teil des Landes, welches in einem Jahrhundert zwei Kriege, zwei extrem unterschiedliche Diktaturen, hohe Versprechen der 90er und den tiefen Fall der Neuzeit erlebt hat. Um dieses Problem zu lösen, muss man sich auch der verkehrten Hoffnungen der Menschen annehmen. Über als nationalistisch deklarierte Themen dürfen die brauen Parteien kein Monopol haben. Gesetzlich wird wohl in nächster Zeit viel gegen den Rechtsextremismus folgen, doch will man auch politisch erfolgreich dagegen agieren, braucht es endlich den Mut über sensible und gefährliche Themen zu sprechen ohne das ein Sturm der Entrüstung alles lahm legt. Die Gedanken sind frei, auch die schlechten. Doch was frei ist, ist sichtbar und kann diskutiert und kuriert werden. Aber Gedanken, die unausgesprochen und verboten bleiben, fressen sich in solange fest, bist aus einem Gedanken ein Entscheidung wird – vielleicht ein Kreuz bei der NPD, vielleicht das Wegschauen bei Gewalt oder das Werfen ein Brandsatzes.  Ich liebe mein Land und mein Leben hier und genau deshalb will ich nie Diktatur, Gewaltherrschaft, Ausgrenzung und Verfolgung erleben.

Ich möchte schließen mit einem Zitat von Martin Niemöller, Geistlicher und Widerständler zur Zeit der NS-Diktatur:

 „Als die Nazis die Kommunisten holten,
habe ich geschwiegen,
ich war ja kein Kommunist.

Als sie die Sozialdemokraten einsperrten,
habe ich geschwiegen,
ich war ja kein Sozialdemokrat.

Als sie die Gewerkschafter holten, 
habe ich geschwiegen,
ich war ja kein Gewerkschafter.

Als sie mich holten,
gab es keinen mehr,
der protestieren konnte.“

29.11.11 14:07, kommentieren

Bleib standhaft, Freiheit!

Nach einer kleinen Pause bin ich wieder zurück. Zugegeben der nächste Text wird sehr idealistisch, aber schwierige Zeiten erfordern die Rückbesinnung auf Tugenden und Ideale. Leider schreibe ich aus dem traurigen Anlass der Ereignisse in Norwegen. Das Geschehen dort war ja schon ziemlich heftig und hat einen wirklich erschaudern lassen. Und das in dem Jahr, das schon Fukushima gesehen hat. Eigentlich dachte man ja, so langsam ist man gegenüber schlechten Nachrichten resistent, denn die Zeitungen und Nachrichtensendungen sind voll damit. Allerdings es ist für den Europäer und speziell den Deutschen natürlich ein Unterschied wo die Tragödie passiert. Fukushima passierte auf der anderen Seite der Welt – eine der schlimmsten Katastrophen aller Zeiten mit noch nicht geklärten Folgen. Die Reaktionen waren dafür verhältnismäßig gering. EHEC hat da schon mehr ausgelöst, weil es scheinbar direkt vor unserer Nase passierte. Also blieben die Folgen von Fukushima für uns eigentlich nur der Atomausstieg, was nichts anderes war (so sehr ich ihn begrüße) als die populistische Reaktion inkompetenter Politiker, die erst jetzt eingesehen haben wollen welche Folgen ein GAU haben kann. Wenn Leute an der Spitze der Politik und Aufseher über die Atomkraftwerke erst jetzt begreifen, welche Gefahr davon ausgeht, dann ist dies an schrecklicher Dummheit nicht zu überbieten. In einer ähnlichen Relation begleitet uns nun dieses Ereignis. Norwegen ist eines der Musterländer Europas, auf das sich unsere Politiker gerne beziehen, wenn es gerade um vorbildliche Sozialstaatlichkeit, Schulsysteme und Gesellschaft geht. Und gerade dort schlägt ein selbst ernannter Retter des Abendlandes zu. Norwegen ist den Deutschen auch viel näher als Griechenland oder Portugal und man identifiziert sich eher mit jenen Menschen und somit ist ein solcher Anschlag auch hier vorstellbar. Natürlich ist es schon makaber, dass Europa um knapp 90 Tote trauert (die BILD hatte die Namen aller Opfer auf Seite 1), während in Ostafrika tägliche weit mehr Leute einen mindestens genauso grausamen Tod sterben. Als Abwehrreflex könnte man natürlich sagen, dass ist nicht unsere Schuld und wir Deutschen können ja nicht immer helfen. Aber über das Ursache-Wirkungsprinzip in armen Ländern sollten ehemalige Kolonialherren wie die Europäer schon ihre Beteiligung an der verfehlten Entwicklung dort eingestehen. Und ohne Frage ist es purer Wahnsinn, dass die reichsten Länder der Welt Milliardenbeträge hin und her schieben und dies fast unbürokratische innerhalb weniger Wochen möglich ist, während man es nicht schafft, genügend Lebensmittel für Afrika bereit zu stellen.

 Aber zurück zum Attentat von Norwegen, denn die damit zusammenhängenden Abläufe sind von weitreichender Bedeutung als mancher zu wissen scheint. Dennoch sollte man sich immer ins Gewissen rufen bei all der Jammerei über unsere ach so schlechte Lebenslage und Armut, dass keiner von uns Armut kennt und niemand Hunger leidet. Selbst den Ärmsten in diesem Land wird noch geholfen und am Hungertod stirbt hier schon lange niemand mehr.

Wie nach allen schlimmen Ereignissen die durch Terroristen und Attentäter ausgelöst werden, geraten danach deren Motivationen und Hintergründe ins mediale Interesse. Reflexartig berichteten am vergangen Freitag nach der Explosion in der Osloer Innenstadt erste Sendungen über die Verwicklungen Norwegens in den Libyen-Krieg und die Ermordung Bin Ladens. Scheint logisch, wenn in einer westlichen Großstadt eine Bombe explodiert müssen Islamisten beteiligt sein. Zugegeben selbst mir ist dieser Gedanke durch den Kopf gegangen, obwohl ich eigentlich schon länger um die Gefahren rechtsextremer und christlich fundamentaler Spinner weiß. Aber selbst als aufgeklärter Mensch lässt man sich von medialer und politischer Hetze unterschwellig beeinflussen und so hat das Bild des Selbstmordbombers immer einen Araber als Motiv. Aus dieser Sicht ist der aktuelle Täter ein Befreiungsschlag gegen Stereotypen und Vorurteile. Denn es bestätigt, dass die Menschen alle gleich sind. Hautfarbe und Herkunft spielt keine Rolle – Bildung, Aufgeklärtheit und Toleranz schon. Und so trägt der Boden der Intoleranz, des religiösen oder politischen Fanatismus und der Hetzerei erste Früchte. Dazu fallen mir immer zwei Sätze ein – es gibt überall Leute die scheiße sind (etwas simple und krass formuliert) und „Niemand wird als Rassist geboren“. Für konservative Angstmacher und Zukunftspessimisten ist dies ein weiterer Rückschlag, denn erneut müssen sie sich von einem ihrer Klischees verabschieden, dass ihre Vertreter so lange in „Expertenrunden“ aufrechterhalten wollten. Attentäter sind nicht länger nur Islamisten, so wie nicht alle Amokläufer Egoshooter-spielende Schulversager aus Schützenvereinen sind.

Dass es auch in Europa und den USA fundamentale Fanatiker gibt, ist schon länger bekannt, doch dass sie ihren Hass gegen die eigenen Landsleute richten, hat selbst viele Hardliner überrascht. Dabei sind die öffentliche Wahrnehmung sowie die Steuerung von Gegenmaßnahmen mal wieder Jahre hinterher. So wie einst beim militanten und fundamentalen Islamismus, der seine Wurzeln in den 1920er Jahren hat und spätestens seit den späten 1980er Jahren als organisiert angesehen werden kann, ist auch rechtskonservativer und/oder christlich-fundamentaler Fanatismus keine Neuigkeit mehr. Aber so wie es 9/11 brauchte um die Problematik des Islamismus zu ergründen (worunter die Araber selbst mehr leiden, als die Europäer oder Amerikaner), brauchte es nur scheinbar diesen schwarzen Freitag in Norwegen, um genauer zu schauen, was da mitten unter uns vor geht. Religiöser Eifer und politischer Intoleranz kollaborieren in den USA schon seit vielen Jahren. Führende Demagogen und Hetzer bestimmen das Geschehen der Neuen Christlichen Rechten Bewegung (die so neu gar nicht mehr ist) in den USA und haben die Republikaner teils schon übernommen. Auf FOX News laufen 24h am Tag als Nachrichten getarnte Meldungen aus Sicht der christlich-konservativen weißen Bevölkerung über den Bildschirm. Das Zielpublikum sind vorwiegend weiße Amerikaner in ländlichen Gebieten sowie die Unterklasse der Arbeiterschaft. Es wird ihnen gezielt vermittelt, dass sie die Verlierer der aktuellen Weltentwicklung sind und Amerika droht unterzugehen. Dass ihre Arbeitslosigkeit und Verarmung eher durch ihre mangelnde Bildung sowie das Missmanagement der Großkonzerne (Beispiel General Motors) und Banken  entstanden ist, denn durch Migranten und islamistische Weltverschwörer verschweigen ihnen ihre Wortführer. Nach diesem kleinen Ausflug in die amerikanische Gesellschaft zurück nach Europa. Denn auch hier sind solche Entwicklungen längst keine Neuheit. Die Schuld für unser so krisenhaftes Land sucht nicht nur Thilo Sarrazin bei türkischen und arabischen Migranten. Die BILD hetzt gegen Griechen und andere Europäer,  ein Klima des Misstrauens und der Feindseligkeiten macht sich breit. Ginge es nach Sicherheitspolitikern, würde alles und jeder überwacht. Doch das kann doch nicht die Lösung sein. Unbestritten ist die Gesellschaft im Wandel, die Schrecken von Krieg und Vernichtung kennt niemand mehr und das Wohlstandsdenken ist auf dem Höhepunkt.

 Jeder will, dass er ein Maximum an Wohlstand und Sicherheit hat und das am besten für lau. Die vielen Jahre des Friedens und der Wegfall des Ostblockes hat vielen Europäern den Kopf verdreht. Ohne das Feindbild im Osten brauchen Politik und Wirtschaft neue ideologische Feinde um ihre eigenen Interessen durch zu setzen. Doch hier braucht es die Gesellschaft. Das Wort Staat ist ausgelutscht und sollte nicht immer als Bösewicht und Retter zu gleich dienen. Die Gesellschaft ist gefordert. Denn aus ihr kommen die Politiker, Manager und möglichen Attentäter von Morgen. Und  sie entscheidet über Werte und Normen. Grenzen wir andere aus und hüllen uns in ein Klima des Misstrauens und des Hasses oder sind wir aufrechte Demokraten? Es widert mich an, wie degeneriert das Verständnis in vielen Teilen der Bevölkerung für die größten Errungenschaften der Menschen sind. Freiheit, Toleranz, Demokratie, Menschenrechte – das waren einst Werte für die viele Menschen starben. Heute sind es leere Phrasen, dessen sich kaum einer mehr bewusst ist. Doch diese Worte sind der Grund, warum es immer noch unzählige Menschen nach Amerika und Europa zieht. Es ist nicht nur das Geld, es sind unsere Werte. Doch an jeder Straßenecke und in jeder Kneipe hört man Sätze wie „denen in Berlin müsste man eine Kugel geben“ oder „die scheiß Kanaken sind schuld“. Und das sind jetzt keine fiktiven Ereignisse sondern Erlebnisse die ich leider zu oft machen muss. Ich frage mich, ob dies der Boden ist auf dem neue Extremisten wachsen oder ob dies vielleicht schon die ersten Früchte sind. Doch die Leute, die so was von sich geben, müssen sich fragen, ob das die Einstellung ist mit denen sie ihre Kinder erziehen wollen. Denn wenn andere Eltern eine ähnliche Ansicht haben, dann müssen sie sich nicht wundern, wenn ihre Kinder eines Tages nicht vom Ferienlager zurückkommen, weil ein zu Hass und Intoleranz bekennender Fanatiker das wahr gemacht hat, was viele aus einer Dummheit heraus fordern.

Deshalb gebührt denen Respekt und Anerkennung, die trotz persönlicher Opfer ein klares Statement zu unseren europäischen Werten und Rechten abgeben. Denn während Europa mittlerweile nur noch auf seinen wirtschaftlichen Nutzen oder eben Nichtnutzen reduziert wird, ist es für mich immer noch die Vision einer vereinten Staatengemeinschaft die aus fast 2000 Jahren Krieg und Konkurrenz gelernt hat und die nächste Stufe der menschlichen Entwicklung anpeilte – nämlich dauerhaftes friedliches Miteinander. Das ist wieder viel Naivität und Ethos, aber in was für einer Welt will man leben? Wir überlassen heute alles den Bossen, Managern und Politkern. Wir sind bequem und unzufrieden. Wir schätzen finanziellen Reichtum mehr als Gesundheit, Freiheit und Frieden. "Der Glaube an eine größere und bessere Zukunft ist einer der mächtigsten Feinde gegenwärtiger Freiheit" stammt von Aldous Huxley. Wir wissen unser Glück einfach nicht zu schätzen.  Vielleicht muss unserer Gesellschaftsordnung erst erneut bedroht werden, damit jeder seinen Hintern hoch bekommt und sich emanzipiert als freiheitsliebender Europäer. Oder man geht jammernd und schimpfend unter. „Die Freiheit besteht in erster Linie nicht aus Privilegien, sondern aus Pflichten“ sagte einst Albert Camus.

Ich hoffe die norwegische Linie der Offenheit und Toleranz bleibt bestehen und ist ein Vorbild für alle Europäer.

1 Kommentar 28.7.11 16:43, kommentieren

Guido Westerwelle: die Leiden einer jungen Politikerin

Und da war es geschehen. Der Guido ist nicht mehr. Mein liebster Politiker, dem ich dank seiner unglaublichen Fähigkeiten in jedem meiner Blogs erwähnen musste, ist gegangen. Wer hätte gedacht, dass 2011 das Ende von KaTheZuGu und Guido bringt - und es ist grad mal April! Na gut mag man sagen, schließlich bleibt er ja Außenminister...aber mal im Ernst, dieses Amt hätte er am ehsten aufgeben sollen. Okay er hat seine Partei in bedrohliche Tiefen gestürzt und bei aktuellen Wahlen ist die 5%-Hürde wieder ein Problem. Auch nach fast 2 Jahre hat er immer noch nicht den typischen Bonus vom Außenminister. Jeder Vorgänger konnte sich zu den beliebtesten Ministern zählen...bis jetzt. Aber der innenpolitische Kurs der FDP bleibt auch in der Außenpolitik erhalten - wankend und uneins, fehlinformiert und ferngesteuert. Atomkraft - ja, nein oder vielleicht? Libyen - ja, nein, enthalten? Erst ist Atomkraft geil und soooo billig (ein Rückbau bzw das Abschalten und anschließende Entfernen von verstrahlten Material kostet pro Kraftwerk mindestens 1 Mrd. Euro, hinzu kommen die immensen Kosten für Entlager, Entsorgung, etc) und Subventionen gibts trotzdem. Regenerative Energie ist momentan vielleicht noch nicht sonderlich effizient oder flächendeckend, aber immerhin auf lange Sicht billiger und gefahrenlos. Aber die Atomlobby zahl halt besser. Blöd aber auch, dass diese Bilder aus Fukushima überall im TV laufen und man heute wirklich alles im Internet sehen kann. Zu Zeiten von Tschernobyl konnte man sich das Schweigen noch erkaufen bzw. den Bürger im Ungewissen lassen. Ja und Libyen...eigentlich wollen wir Diktatoren stürzen, aber wir wollen keinen Krieg und erst recht keine Flüchtlinge. Doch wir sind tolle Demokraten und gegen jedes Unrecht auf der Welt. Aber unsere Industrie braucht libyisches Öl und unsere Rüstungskonzerne verdienen gut dank der langfristigen Planbarkeit, die ein Diktator ausstrahlt - der braucht schließlich immer Waffen.

 

Wäre der Guido mal in die Innenpolitik gegangen - da stolpert jetzt dieser Vollpfosten vom bayrischen Lande rum und versucht alte CSU-Programmatik als deutsche Innenpolitik zu verkaufen. Nachdem die letzten Jahre immer wieder von Integration und Islamdebatten durchzogen waren, haut er erstmal gleich zu Beginn auf den Tisch und meint, Deutschland habe eine christlich-abendländlische Identität und die Muslime sollten in erster Linie zur verbesserten Terrorismusprävention beitragen. Kurz gesagt - wir sind liebe Christen und ihr steht alle unter Verdacht böse Islamisten mit Gürtelbombe und Kalaschnikow zu sein. Dabei ist diese Debatte in meinen Augen so lästig. Erstens mal fühle ich mich in aller erster Linie als Deutscher, ferner als Europäer, freiheitsliebend, friedlich, fortschrittlich, demokratisch und pluralistisch. Jeder der diese Ansicht teilt sei mein Freund und Nachbar. Und mit ein wenig Vernunft und Menschlichkeit kann man sich auch nicht gegen den Wunsch ausländischer Leute aus ärmeren Verhältnissen wehren, auch etwas mehr Wohlstand zu haben. Es ist wie auf einer Geburtstagparty bei Kindern - entweder ich teile mein neues Spielzeug oder die Torte oder die anderen Kinder sind böse auf mich und ich spiele allein - auch wenn das Spielzeug durchaus der Verdienst der harten Arbeit meiner Eltern ist. Und so ist es auch bei Staaten - entweder verteidige ich meine Errungenschaften, aber hab keine Freunde mehr (was gleich Krieg bzw. Isolation wäre) oder ich teile und helfe dabei, dass es allen besser geht, auch wenn es mir dadurch subjektiv gesehen ein wenig schlechter geht. Anders ist das natürlich bei Menschen, die sich weder dem friedlichen Zusammenleben, noch der Demokratie oder Freiheit verschrieben haben. Da hat man durchaus das Recht, gar die Pflicht sich zu verteidigen. Nun zurück zum Thema religiöser Identität. Ich sehe mich ganz und gar nicht als Christ oder in irgendeiner abendländische Tradition. Sind unsere Werte vom Christentum beeinflusst!? Eine ewig andauernde Frage, die je nach Auslegung der Bibel und seiner (wie sollte es sonst in einem "heiligen" Buch auch anders sein) mehrdeutigen Aussagen zu beantworten ist. Für mich sichtbar ist das Christentum vor allem durch eines - eine Kirche, die aus Pädophilen besteht, antiquierte Ansichten vertritt und an dessen Spitze immer senile und zugedröhnte alte Männer stehen. Die jegliche Toleranz verdammen, gegen medizinische Fortschritte zur Bekämpfung von Armut und krankheit sind und eher am schwachsinnigen Dogmen (Bsp. Kondomverbot - Verbreitung von AIDS) festhalten, anstatt sich wirklich in den Dienst der Menschheit zu stellen. Zu allem Überfluss verkaufen sie uns, dass der Papst eine göttliche Mission auf Erde hat, obwohl jeder weis, dass die Papstwahl nichts anderes ist als die Kampfabstimmung um den Vorsitz wie in jedem anderen internationalen Unternehmen. Natürlich sind dies nur negative Assoziation mit der katholischen Kirche. Aber genauso undifferenziert wie ich gerade vom Christentum spreche, ist die Ansicht alle Muslime seien gleich, gewaltbereit und radikal. Aber ja wir haben eine christliche Tradition - wir sind unfehlbar gegenüber anderen Kulturen und Religionen. Zudem versetzt mich jede Religionen eigentlich in einen Würgereiz. Soll jeder glauben was er will, aber gehandelt werden muss in der Politik nach Vernunft.

Also anstatt die vielen Migranten nur nach religiöser Ansicht zu beurteilen, sollten wir der verfassungsgemäßen Trennung von Religion und Staat folgend jeden Migranten nach seinen Wertevorstellungen beurteilen und nicht nach seinem Glauben. Wer radikalisierte Glaubensvorstellungen hat, kann auch Christ oder Jude sein, aber da haben wir scheinbar keine Vorbehalte...

Um den Kreis zu schließen zurück zum Guido. 2011 hat drei große Männer der Unterhaltung zum Sturz gebracht. Den Gutti, König von Afghanistan und Liebling der BILD-Zeitung samt Gattin Stefanie - Kinderschänder-Jägerin auf RTL2. Und der Guido, Liberaler aus Leidenschaft, ein begnadeder Redner der dann doch irgendwann dem Wahnsinn erlegen war. Keiner schaffte es schneller als er sich erst als DIE OPPOSITION zu verkaufen und dann noch quasi in der Wahlnacht alle Wahlversprechen von Bord zu werfen und mit den Huren der Lobbyisten (nicht zu verwechseln mit dem Bundeskabinett, dass sind DIE Huren der Lobbyisten) ins Bett zu steigen. Ja und dann wird er Außenminister, doch wundert sich, dass ihm deutsche Rhetorik in englischsprachigen Foren nichts nutzt. Und natürlich Charlie Sheen, Godfather des lebenden Männertraums. Aber Regisseur Michael Bay (sein Markenzeichen ist fehlende Handlung durch Special Effects zu ersetzen) plant schon das nächste Blockbuster-Movie in 3D für 3 Mrd. US-Dollar. Eine ehemalige Filmikone, ein ehemaliger Außenminister und ein ehemaliger MacGyver-Imitator, Doktorant und Bundeswehrheld  bekommen einen Auftrag für eine ausweglos erscheinende Mission. Sie müssen die Reaktoren in Fukushima reparieren. Auf dem Flug dorthin wirft Charlie Sheen eine Flasche mit seinen Blut aus dem Flugzeug welche rein zufällig genau im Palast Gaddafis einschlägt. Die giftigen Gase verteilen sich sofort und der Krieg ist beendet. Grad in Japan gelandet, gibt Gutti MacGyver dem Kerner ein Interview und zeigt live im TV wie man copy+paste auf japanischen Tastaturen benutzt. Nachdem Gutti dann unter Mithilfe der BILD und seiner Stefanie alle Kinderschänder (auch die vermutlichen) vorm Reaktor abgestellt hat, rennt Charlie Sheen schreiend und von mehreren Pornodarstellerinnen begleitet auf die Reaktoren zu. Die Aufprallgeschwindigkeit sorgt dafür, dass das Tigerblut in Sheens Adern, das Silikon der Pornodarstellerinnen und der Reaktor verschmelzen und in einen riesigen Block aus harter Materie verwandelt werden, aus dem keine Strahlung mehr austritt. In einwandfreien Englisch erklärt Guido Westerwelle den Erfolg der Mission und weist eindeutig darauf hin, dass die Grünen und auch die restliche Opposition nichts dazu beigetragen haben, dass diese notwendige Missionen gelingen konnte. Zum Schluss reiten er und Gutti dem Sonnenaufgang entgegen und das Herresmusikkorp der Bundeswehr spielt ACDC.

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