Apocalypse Now?

Mit einem Apell melde ich mich zurück. Die Apokalypse naht, der Weltuntergang steht bevor! Die ersten Anzeichen sind unverkennbar. Sonntag Abend bei Günter Jauch – das Thema Bildung und wer sitzt da? Felix Magath, Schleifer, Geldverbrenner und Antimotivator als Experte für Kinder und Ansporn zu Leistung. Einen Tag später, Frank Plasberg, ehemals ansehnliches Format, mittlerweile der visuelle Würgereiz des öffentlich-rechtlichen Gebührenvernichtungskomitees. Thema ist Erziehung, zu Gast Oliver Pocher!  Zu guter Letzt ist der hohe Priester der Diebe zurück, KaTheZuGu! Der Ex-Minister, der außer einem Foto auf dem Times-Square und einer nicht vollendeten und fehlerhaften Bundeswehrreform keine politischen Erfolge vorzuweisen hat, ist wieder da. Der Mann, der abschreibt und klaut und dies noch als notwendiges Übel seiner Karriere und dem auf ihm lastenden Druck verkauft. Ohne Brille und ohne Pomade, dafür noch dreister und selbstüberschätzender als je zuvor. Und viele Deutsche, allen voran das Meinungsblatt der geistigen Unterschicht können es kaum erwarten. Magath, Pocher, Guttenberg – das sind die ersten apokalyptischen Reiter!

Vielleicht kann man den Untergang noch abwenden, doch wenn nicht wird sich zeigen welche Religion nun ihr Seelenheil finden wird. Vielleicht dieser Haufen alter Kinderschänder? Oder die Bombenbastler mit Vollbart? Möglicherweise gibt’s aber auch ein Happyend für die die ewig Verfolgten. Bleiben wir bei den Bombenbastlern. Seit der Jahrtausendwende ist ja jeder Terrorist gleich ein Ahmed oder Ali. Unsere Vorstellung von Terrorismus wurde von Polizei und Politik vorangetrieben und gefestigt. Okay ab und an wurden da noch ein paar schwarz angezogene Chaoten gezeigt, die Autos abfackeln und in Berlin und Hamburg wüten. Doch ansonsten herrschte Einigkeit darüber, dass wir ein Problem mit Islamisten haben.

Doch plötzlich kommt da so eine Bande gelangweilter Ossis und verbrennt sich selbst in einem Wohnwagen und plötzlich ist alles anders. Niemand wusste etwas, alle weisen die Schuld von sich. Rechtsextremer Terror – das war ja gar nicht absehbar. Ganze Landstriche im Osten werden der braunen Idiotie überlassen, den wenigen Organisationen die dagegen kämpfen werden die Mittel gestrichen und die NPD wird noch durch Wahlkampfkostenerstattung und Verfassungsschutz finanziert. Aber wer konnte ahnen, dass dieser Haufen noch mehr Ambitionen hat, als sich in ein paar sächsischen Gemeinden die Krone aufzusetzen?! Es wäre ja einfach, hätte man damit Erfahrung, aber hier in Deutschland gibt es doch absolut keine Erfahrung mit rechtsextremen und nationalistischen Bewegungen. Erst recht nicht mit Leuten die vom Verfassungsschutz eingesetzt werden um die Gefahr zu beobachten und dann gegen den Staat arbeiten.  Vielleicht hat man die Gefahr von rechts auch einfach nur unterschätzt. Aber wenn ein kleiner, hässlicher und verbitterter Mann mit schizophrener Künstlerseele aus Österreich ganz Mitteleuropa für sich begeistern kann, dann schafft das ein Haufen zurückgebliebener Nazis eben auch.

 Gerade im ehemaligen Musterland des Sozialismus entwickelte sich die braune Gefahr. Die Erklärung ist für mich genauso simple wie einfach, die Elterngeneration ist in einer Diktatur aufgewachsen, die Großeltern auch – da wollen die Söhne und Töchter natürlich auch eine Witzfigur, die man anhimmeln kann. Und weil es ja zu schwierig wäre zur Schule zu gehen, einen vernünftigen Abschluss zu machen und sich in Beruf, Familie und Menschlichkeit zu verwirklichen, bleibt man lieber arbeitslos, asozial und sucht die Schuld bei anderen. Klar wenn man genügend von denen totschlägt, wird schon irgendwann eine Stelle frei für die Kameraden.  Bei aller Verunsicherung und Desillusion dieser Zeit, aber wie soll denn das braune Deutschland der Zukunft wirklich aussehen!? Keine Ausländer, einen Führer, kein Kapitalismus, keine internationalen Beziehungen und Abkommen!? Da muss man nur nach Nordkorea, Myanmar oder Kambodscha schauen, dort wird dieses Zukunftsmodell seit Jahren erfolgreich praktiziert. Und spätestens hier liegt die Krux, wer wirklich sein Land liebt und möchte, dass es sich hier gut leben lässt, darf die Augen nicht vor der Realität und der Umwelt verschließen. Kaum ein Land profitiert vom internationalen Handel, kulturellen Austausch und friedlichen Europa so wie Deutschland. Und wer diesem Land und seinen Bürgern etwas Gutes tun will, der sucht Ideen und Konzepte, die uns weiter bringen und unsere wirtschaftliche und politische Stärke weiter festigen. Nur weil ich mich für stark halt, kann ich mich auch nicht auf die Autobahn stellen und davon ausgehen, dass der LKW an mir zerschellen wird. Man muss die Realität annehmen. Fremdenfeindlichkeit, Hass, Intoleranz, Gewalt, Unmenschlichkeit – all das sind Attribute, die in den Abgrund führen.

 Doch die wahre Gefahr sind nicht die rechtsextremen Terroristen, diese werden nun im Zuge der nationalen und internationalen Aufmerksamkeit beseitigt und gejagt. Die Gefahr ist weiter der „normale“ Bürger, der weit weg vom Klischee lebt. Er hat Familie, einen Job und tritt nie mit Gewalt oder Protest in Aktion. Doch in seinem Kopf schlummern und reifen die Parolen der Nazis. Wer denkt Intoleranz und Rassismus seien ein Randproblem, der ist schon zu lange weg vom Boden der Gesellschaft, der großen schweigenden Mehrheit, die sich nicht politisch engagiert und nur beim Stammtisch, der Arbeit und in der Familie über politische Inhalt redet oder eher schimpft. An dieser Mehrheit geht vieles vorbei, manches weil es einfach zu abstrakt und unwirklich ist, manches weil das intellektuelle Niveau nicht ausreicht. Doch das Problem hierbei ist die politische und gesellschaftliche Elite, die verkennt, dass die Verlierer von Strukturwandel und Globalisierung kaum offen sind für so moralisch-idealistisches Gedankengut wie Toleranz, Nächstenliebe und Völkergemeinschaft. Im Trott aus gefühlt unterbezahlter Arbeit, dem Verfall von Werte und Normen, dem sichtbaren finanziellen Loch der eigenen Kommunen und Gemeinden und dem medialen Affenzirkus ist kaum Platz für Reflektion der eigene Situation und einer vernünftigen Beurteilung der Lebensumstände. Ein Sündenbock erfordert nur Frustration und ist schnell gefunden, selbstkritischer und anspruchsvoller Umgang mit sich selbst erfordert charakterliche und moralische Integrität, doch die ist rar in dem Teil des Landes, welches in einem Jahrhundert zwei Kriege, zwei extrem unterschiedliche Diktaturen, hohe Versprechen der 90er und den tiefen Fall der Neuzeit erlebt hat. Um dieses Problem zu lösen, muss man sich auch der verkehrten Hoffnungen der Menschen annehmen. Über als nationalistisch deklarierte Themen dürfen die brauen Parteien kein Monopol haben. Gesetzlich wird wohl in nächster Zeit viel gegen den Rechtsextremismus folgen, doch will man auch politisch erfolgreich dagegen agieren, braucht es endlich den Mut über sensible und gefährliche Themen zu sprechen ohne das ein Sturm der Entrüstung alles lahm legt. Die Gedanken sind frei, auch die schlechten. Doch was frei ist, ist sichtbar und kann diskutiert und kuriert werden. Aber Gedanken, die unausgesprochen und verboten bleiben, fressen sich in solange fest, bist aus einem Gedanken ein Entscheidung wird – vielleicht ein Kreuz bei der NPD, vielleicht das Wegschauen bei Gewalt oder das Werfen ein Brandsatzes.  Ich liebe mein Land und mein Leben hier und genau deshalb will ich nie Diktatur, Gewaltherrschaft, Ausgrenzung und Verfolgung erleben.

Ich möchte schließen mit einem Zitat von Martin Niemöller, Geistlicher und Widerständler zur Zeit der NS-Diktatur:

 „Als die Nazis die Kommunisten holten,
habe ich geschwiegen,
ich war ja kein Kommunist.

Als sie die Sozialdemokraten einsperrten,
habe ich geschwiegen,
ich war ja kein Sozialdemokrat.

Als sie die Gewerkschafter holten, 
habe ich geschwiegen,
ich war ja kein Gewerkschafter.

Als sie mich holten,
gab es keinen mehr,
der protestieren konnte.“

29.11.11 14:07

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