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Bevor es ernster wird, mal gleich mit ein bißchen Spott starten. So merk ich mir die 11880 - 11 Schalker verdienen 88 Millionen Euro und schießen 0 Tore.

Wieder mal ein Amoklauf. Die Debatten sind die alten, die Berichterstattung auch, doch das Täterprofil neu. Eine Frau mit akademischen Hintergrund - klingt erstmal nicht nach gesellschaftlichen Außenseiter und passt nicht ins Bild des schulisch schwachen und gedemütigten junge Mannes, der regelmäßig Egoshooter spielt. Aber das Thema deprimiert im Endeffekt zu sehr, als dazu noch weitere Worte zu äußern.

Aber das Thema Klischees passt perfekt um auf den in letzter Zeit so diskutierten Thilo Sarrazin zu kommen. Es sei anzumerken, dass unabhängig von seinen Thesen er schon recht unterhaltsam ist. Als ich ihn neulich bei ner Diskussion sah, habe ich sofort gegoogelt, ob er mal nen Schlaganfall hatte, denn seine rhetorischen Fähigkeiten waren da wohl nicht mit an Bord. Stottern, sich in eigenen Sätzen verirren und absolut ungewohnte Sprechmuster - das klang nicht nach einem fachlich versierten Bundesbänker. Allerdings macht das genau die Strahlkraft des Herrn Sarrazin aus. Er ist keiner dieser glatten Talkshowäffchen, das sich immer perfekt äußert und jedes noch so diffuse Thema mit brillianter Null-Inhalt-Rhetorik überwindet. Schaut man eine politische Sendung, so hört man ja immer die gleichen Sätze und Argumentationsstrukturen. Eigenbrödler und Spezi´s sieht man kaum, es ist das immer selbe Ensamble, was sich durch die Polit-Talk-Landschaft manövriert.  Aber dann sitzt da dieser schmächtige und etwas durcheinander wirkende Mann und lässt sich auch durch permanente Kritik nicht aus dem Konzept bringen. Also zumindest im groben wiederholt er immer wieder seine Ideen und Thesen, die mit fragwürdigen wissenschaftlichen Methoden entstanden sind. Doch auch wenn Sarrazin teils inhaltlich den Nerv der Zeit trifft, ist doch wohl auch sein gesamtes Auftreten Grund für die ihm entgegen kommende Sympathie. Er spricht unbeliebte und von öffentlicher (in dem Zusammenhang ist die Öffentlichkeit die geselleschaftlich-politische Elite) Seite kritisierte Themen an und gibt sich halt nicht so oberdiplomatisch, übertolerant und weichgespühlt wie all die anderen Nebendarsteller der wenig investigativen Talkmaster a la Illner, Maischberger, Will und Co.

In meiner Umgebung, war ich doch zu der Zeit gerade bei einer mittelständischen Firma als Werksstudent beschäftigt, musst ich feststellen, dass seine These (obwohl kaum gekannt und verstanden) trotzdem auf Zustimmung treffen und ein mehr oder weniger latenter Ausländerhass selbst bei gemäßigten Persönlichkeiten zu erkennen ist. Einerseits erschreckend, anderseits verständlich. Das Thema ist die Schwiegermutter der Politik. Vormals gerne ins Haus geholt und heute hofft man, es erledigt sich irgendwann von selbst. Viele kennen nur negative Beispiele von Migranten. Die Kids, die in lächerlichen Slang und übertriebenen Machogehabe einen auf Gangster machen, der Ehrenmord aus dem Fernsehen oder die bettelnden Osteuropäer vorm Einkaufszentrum. Klar, man vergisst gern die unzähligen betrunkenen und randalierenden Penner, die einem Nacht für Nacht begegnen. Da hab ich noch nie nen Afrikaner, Araber oder Türken dabei gesehen. Aber betrunken und pöbelnd durch die Straßen zu ziehen ist ja auch feinstes europäisches Kulturgut (nicht nur deutsches, denn die Engländer sind da ja die Gralshüter). Aber selbst hier verfalle ich selbst in Klischees ohne Ende. Allerdings sind diese nicht so bedrohlich und politisch inkorrekt. Aber zurück zum Thema. Ich mache es mir hier ganz einfach und gebe dem Staat die Schuld. Ha, denkt man sich, der ist ja eh immer Schuld, aber hier sind die Indizien schon deutlicher. Schließlich findet Einwanderung (die legale zumindest) ja über staatliche Stellen statt. Also delegiert dieser auch, was mit den Einwanderern passiert. Und es ist klar, dass sich eine immigrierende Familie kaum integrieren wird, wenn sie in ein Viertel einquartiert werden, in dem der Ausländeranteil bei etwa 98 % liegt. Ein kleines Beispiel dazu. Vor einigen Jahren war ich von der Schule aus in Irland auf Sprachreise. Nur leider haben die Betreiber unserer Unterkünfte recht gut deutsch gesprochen und so konnte wir immer ausweichen, wenn wir sprachlich nicht weiter wussten. Der Anreiz, die englische Sprache weiterhin zu benutzen war also sehr gering. Nun stellt sich die Frage, wenn eine Familie aus dem arabischen Raum oder dem osteuropäischen Raum (wo nationenübergreifend gleiche oder ähnliche Sprachen gesprochen werden) in ein Viertel oder eine Gegend kommt, in der fast nur Leute aus der gleichen Gegend wohnen, welche Sprache sprechen sie dann untereinander? Dazu wieder ein kleines Beispiel. Wenn wir an der Uni neue Studenten bekommen, teile wir diese in Gruppen ein um sich kennen zu lernen. Dazu werden auch schon zu Beginn Gruppen, die sich gebildet haben, wieder gesplittet und neu verteilt. Hintergrund ist, dass man möglichst viele Leute zu Beginn kennen lernen soll und sich nicht schon zu Beginn des Studiums auf ein paar wenige fixiert. Nun sollen keine Familien auseinander gerissen werden, aber eine Konzentration von Migranten gleicher Herkunft hat genau den selben Effekt. Es klingt simple und ist total unwissenschaftlich, aber es sind die einfachen Dinge des menschlichen Seins, die hier greifen und das ist auch kulturübergreifend so. 

Zweiter Punkt der in der Intergrationsdebatte absolut nervt, ist die Tatsache, dass seit Jahren ein Fachkräftemangel herrscht und wir für viel Geld und Aufwand Experten aus anderen Ländern anwerben. Klar tut es der kulturellen Vielfalt und auch der Wirtschaft gut, wenn es einen Mix aus aus- und inländischen Arbeitskräften gibt. Doch wenn im Gegenzug der Zugang zum Studium erschwert wird und die Bildung weiterhin nur halbherzig reformiert und finanziert wird, ist das einfach nur ökonomisch wie auch gesellschaftlich schädlich. Beides hat weniger mit den einheimischen und zuziehenden Menschen zu tun, als mit der administrativen Handhabe der Politik und der staatlichen Stellen. Und in anbetracht der Tatsache, dass viele Jobs in Deutschland zwar verfügbar sind, aber nicht den Ansprüchen so mancher Deutscher genügen, wären gut integrierte ausländische Arbeitskräfte (dabei soll keine Reduzierung aud ihre Arbeitsleistung statt finden) sogar sehr nützlich und fördernd und nicht wie man denkt die Diebe der Arbeitsplätze. Denn wenn es eine Eigenschaft unserer Kultur oder Gesellschaft gibt, die zukünftig noch für viele Probleme sorgen wird, ist es unser überhöhtes Anspruchs- und Wohlstandsdenken - die kapitalistische Konsum- und Spaßgesellschaft halt, die ganz vergessen hat wie man ohne finanzielle und materielle Austattung Spaß und Genuss am Leben hat.

Tja das Thema ist fast so unendliche wie die Geschichte von Michael Ende. Aber schon mal gut, dass offen drüber geredet wird, falsche Toleranz und politisches Phrasenkloppen bringt uns hier nicht weiter. 

Das Phrasenschwein aus Fussball-Talks sollte im Polit-Talk zum Einsatz kommen - man könnte die GEZ abschaffen, die Öffentlich-Rechtlichen würden sich selbst finanzieren! Zum Thema Privatfernsehen heut gar nix - gesellschaftsrelevantes gibts dort eh nicht und wer anderer Meinung ist, sollte sich lieber mal zurück in die Gesellschaft integrieren.

In diesem Sinne, 

Gink

 

PLAYLIST

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Privat Radio - Mind (Summer & Winter Berlin Mix) / Ellie Goulding - Guns And Horses / Ellie Goulding - Starry Eyed (unplugged) / Clueso - Geisterstadt (live mit Stüba Philharmonie)/ Clueso - Jede Stadt (Stüba) / Clueso - Verlierer (Stüba) / Clueso - Augen Auf (Stüba) / Juli - Elektrisches Gefühl / Foo Fighters - Everlong (accoustic) / Deatch Cab For Cutie - Soul Meets Body / Chris Rea - The Road To Hell Part 1 & 2 / Laserkraft 3D - Nein, Mann! / The Automatic - Monster / Radical Face - Welcome Home

21.9.10 14:54

bisher 3 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Doc (2.10.10 21:59)
Ich denke die Debatte steht auch für die Zwei-Schichten-(Drei-Schichten-)Gesellschaft Deutschlands. Für was die (in der Debatte als negativ auffallende) Ausländer herhalten, kann genauso gut auf die "faule" Unterschicht projeziert werden - wobei ich hier nicht verallgemeinern möchte! Denn da kackt der Nagel aus der Wand: Die Meisten machen sich halt schon irgendwie ihre Gedanken, warum Sie einen nicht unerheblichen Teil ihrer (teils geringen aber mit harter Arbeit erwirtschafteten) Löhne dem Staat geben, damit er sie dann "sozial" verteilt. Und die angesprochene untere Schicht dann noch "belohnt" wird für jedes weitere Kind, während das produzierende Elternpaar gar keine Mittel und (viel wichtiger) Zeit für ein (weiteres) Kind hat, da 45h+ Arbeit pro Woche bald keine Seltenheit mehr sind.

Man sollte mal vergleichen, was ein verheiratetes Ehepaar, 2 Kinder, 40h Woche, gut voll-verdienend und ein nicht verheiratetes Paar, 2 Kinder, Hartz IV und sonstigen minderen Einkünften am Ende des Monats übrig haben, dazu die Lebenszeit in Geld umrechnen (oder eben anders herum) und dann schauen was hinten herauskommt. Ich wette das übliche Endprodukt das hinten raus kommt ist Schokopudding dagegen.
- Und die unterschiedlichen Ansprüche je nach gesellschaftlichen Niveau bzw. die Kosten die durch Lebensweise etc. auf den Staat/Krankenkassen im Laufe des Lebens im Mittel zukommen gar nicht eingerechnet -

So, soviel zu meinem Halbwissen-Beitrag...

PS: Irland rockt... =)


Doc II (2.10.10 22:03)
Wieso bin ich denn der einzige hier, der kommentiert? Liest das noch jemand anderes? Oder sind wir zu zweit...

Just a joke... 118800 - GEIL *lol*


Gink (10.10.10 21:01)
Weil das in unser Gesellschaft so ist, alles lesen, nix dazu sagen

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